Von der persönlichen Erfahrung zu einem Forschungsansatz
Es ist die persönliche Erfahrung mit der Schwere und Heimtücke von Long COVID der Medizinerin Dr. Susanne Möllmann, die den Anstoß zu den Planungen für ein Forschungsprojekt gab. Vor Ihrer Erkrankung war Frau Dr. Möllmann das, was man gemeinhin unter Powerfrau versteht: sportlich sehr aktiv, Mutter von zwei Kindern und Leiterin einer Kinderarztpraxis mit vielen Patient:innen. Dann kam die Krankheit, die zunächst relativ harmlos – wie eine leichte Grippe – zu sein schien, sich aber sukzessive immer mehr verschlechterte bis zu einem Stadium, aus dem nur noch die Exit-Option die einzig realistische Alternative zu sein schien.
Frau Dr. Möllmann hat es geschafft – aus eigener Kraft und wohl überlegt – hier wieder herauszufinden und sich einen Weg zurück in ein immer noch eingeschränktes, aber ziemlich normales Leben zu ermöglichen. Die auf diesem Weg gemachten Erfahrungen hat Frau Dr. Möllmann mit ihrem in Studium und Forschung erworbenen biochemischen Know-how näher in den Blick genommen. Dies wurde Ausgangspunkt ihrer Überlegungen zu einem Forschungsprojekt, das an den aktuellen Forschungsstand anknüpft und gleichzeitig darüber hinaus gehen soll. Die Erfahrungen von Frau Dr. Möllmann wurden von der Medizinjournalistin Eva Schläfer in einem viel beachteten Beitrag für die FAZ-Sonntagszeitung vom 03.05.2026 beschrieben (siehe unten).
Neue Hoffnung durch Vielfalt der Forschungsansätze
Neben immunologischen und virologischen Störungen sind schon einzelne Defekte der zellulären Energiegewinnung (= ATP-Produktion in den Mitochondrien) bei ME/CFS beschrieben. Es weist aber einiges darauf hin, dass bei der Entwicklung von Therapieansätzen genetische Auffälligkeiten stärker berücksichtigt werden sollten.

Hier setzten die Überlegungen einer Projektgruppe in Münster an. Es wird von der Arbeitshypothese ausgegangen, dass bei bestimmten genetischen Veränderungen der Energiestoffwechsel infolge eines Trigger Effekts, verursacht u. a. durch eine Infektion, gestört wird. Dadurch kann es zu einem sukzessiven Verlust der Fähigkeit der Mitochondrien zur ATP-Produktion kommen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass es sich beim Energiestoffwechsel um ein hochkomplexes System handelt, an dem mehr als 100 Enzyme und Cofaktoren beteiligt sind. Möglicherweise ist hierdurch die Symptomvielfalt (u. a. bei ME/CFS) zu erklären.
Die Projektgruppe beabsichtigt, das Konzept einer Pilotstudie mit einer begrenzten Zahl von Schwerstbetroffenen zu entwickeln. Hierbei sollen nur Schwerstbetroffene berücksichtigt werden, da bei schwer und schon längere Zeit (mehrere Jahre) Erkrankten mögliche Auffälligkeiten im Energiestoffwechsel deutlicher zu erkennen sind. Das Konzept der Pilotstudie soll in enger Kooperation und Abstimmung mit den Betroffenen, insbesondere betroffenen Kindern und Jugendlichen, partizipativ entwickelt werden. Bei der Analyse sollen die Beschwerden, die medizinischen Befunde und auch die Medikamenten-Vorgeschichte berücksichtigt werden. Vor diesem Hintergrund sollen unter Einsatz differenzierter Analyseinstrumente einzelne Funktionsparameter der Mitochondrien (z. B. ATP-Produktion) bestimmt werden.
Kooperation und nächste Schritte
Im Kontext der Projektentwicklung arbeitet die Stiftung zur Unterstützung chronisch kranker Kinder (Krokids) mit der Forschungsgruppe des Stoffwechsellabors der Kinderklinik der Universität Münster/Medizinische Fakultät zusammen. Es ist geplant, dass das Team des Stoffwechsellabors unter Leitung von Prof. Dr. T. Marquardt die Forschungsarbeiten durchführen soll. Die Krokids-Stiftung wird das Projekt administrativ sowie kommunikativ begleiten und betreut u. a. den Newsletter.
Derzeit befindet sich das Projekt in der Planungsphase. Hierzu gehören organisatorische Abstimmungen, technische und administrative Vorbereitungen sowie die Bereitstellung und Sicherung finanzieller Mittel. Die geplanten Untersuchungen sind technisch sehr anspruchsvoll und arbeitsintensiv und müssen sehr sorgfältig geplant werden.
Über den Fortgang und die einzelnen Arbeitsabschnitte des Forschungsprojekts sowie über Möglichkeiten der Mitwirkung wird der ME/CFS-Newsletter berichten, den Sie hier abonnieren können:
Hauptziel der Arbeit von Stiftung und Projektgruppe ist es, ME/CFS-Patient:innen wieder ein selbständiges Leben zu ermöglichen. Falls Sie die Arbeiten bereits jetzt unterstützen möchten, ist dies über das Spendenkonto der Krokids-Stiftung möglich.
Der FAZ-Artikel Ist es eine Hypothese, oder ist es mehr? (von Eva Schläfer) ist auf ein großes Echo gestoßen und hat eine Welle von Rückmeldungen ausgelöst. Um die Ursachen von Long COVID und ME/CFS besser zu verstehen, soll ein Forschungsprojekt die Beteiligung genetischer Faktoren im Energiestoffwechsel der Zelle untersuchen. Für weitere Informationen abonnieren Sie bitte den das Forschungsprojekt begleitenden Newsletter (siehe oben).
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